Technologiepreis 1996 (geteilt)

Jürgen Dethloff
  • für seine frühen Arbeiten und Erfindungen zur Entwicklung der heutigen Chipkarte, insbesondere für die Erfindung der Mikroprozessorkarte.
  • for his early work and investions leading up to the development of the modern chip card, in particular for the invention of the microprocessor card.
  • Curriculum Vitae von Jürgen Dethloff
    12.5.1924 Geboren in Stettin als Sohn des Maschineningenieurs Heinrich Dethloff und seiner Ehefrau Elsa.
    1934 Bad. Realgymnasium Mannheim: Abitur 1942 in Hirschberg/Riesengeb.
    1944 Fernimmatrikulation für Elektrotechnik an der TH Breslau; wegen fehlender Kriegsverwundung oder Gefangenschaft keinen Studienplatz erhalten, darum
    1949 Prüfung zum Rundfunkmechanikermeister.
    1950 Gründung der Firma „Dethloff Elektronik", als Unternehmen für Sprech- und Kommandoanlagen in Schiffen; später verkauft an SEL-ITT.
    seit 1965 „Jürgen Dethloff Hamburg" - Firma für Erfindungen und Patente sowie Industrieberatung für neue Märkte und Produkte.
    1967/68 Erfindergemeinschaft mit Helmut Gröttrup; Anmeldung des für die erst später sogenannte Chipkarte relevanten Patentes DE 19 45 777 C3 („Identifikanden/Identifikationsschalter"), Patenterteilung 1982.
    1976 Erfindung und Anmeldung der folgenden Systempatente, die 1993 zu den deutschen Erteilungen führten:
    1. DE 27 60 486 C2 Einrichtung zur Durchführung von Bearbeitungs- vorgängen mit wenigstens einem Identifikanden und einer Vorrichtung („Karte mit Mikroprozessor")
    2. DE 27 60 487 C2 Verfahren zur Initialisierung eines Identifikanden („Transportschutzcode")
    3. DE 27 60 485 Einrichtung zur Durchführung von Bearbeitungs- vorgängen mit wenigstens einem Identifikanden und einer Vorrichtung („Karteninterne Betriebsspannungswandlung").
    1987 Erfindung und Anmeldung des in 1991 erteilten Europapatentes EPA 0306 892 B1 Schaltungsanordnung mit einer zumindest einen Teil der Anordnung erhaltenden Karte für Geschäfts-, Identifizierungs- und/oder Bestätigungszwecke („IKM Inhaber-Kartenmanagement-System") Erfindung und Anmeldung des in 1990 erteilten Patentes DE 38 30 326 C2 Verfahren zum Betreiben einer Vorrichtung mit mehreren betrieblichen Buchungs- und Berechnungsmaschinen und eine derartige Vorrichtung („OeCON’TROL-Verfahren und System zur Regelung ökonomischer Vorgänge").
    Ehrungen
    1990 Aufnahme in die „SMART CARD HALL OF FAME", Washington/DC.
    1994 Erstes Mitglied der „ESCAT CONFERENCES HALL OF FAME". Erster Empfänger des „GMD-SMART-CARD-PREISES".

    Roland Moreno

  • für seine bedeutenden Erfindungen und Entwicklungen zur weiten Verbreitung der Chipkarte, insbesondere für das Datenmanagement, die Prüfung der persönlichen Identifizierungsnummer sowie der Datenzugangskontrolle.
  • for his important investions and developments facilitating widespread use of the chip card, in particular for the technologies employed in data management, verification of personal identification numbers, and data acces control.
  • Curriculum Vitae von Roland Moreno

    11.6.1945 Geboren in Kairo als Sohn von Charles Monero und seiner Ehefrau Fortunée.
    1974 - 79 meldet Roland Moreno in elf Ländern 43 Patente an, die grundlegende Konzepte dessen abdecken, was man heute als Smart Card" bezeichnet. Gründung der Firma INNOVATRON" in Paris.
    1974/75 Die frühen Patente betreffen bestimmte grundlegende Merkmale, die wesentlich für alle heute hergestellten Smart Cards sind, wie beispiels- weise:
    1. USP 3 971 916 für Methods of Data Storage and Data Storage Systems"; erteilt 1976. 1974: Verarbeitung und Struktur der im Speicher der Smart Card abgespeicherten Informationen. 1975: Auslesen von Daten und deren Schutz gegen Überschreiben im Speicher; der selektive Schutz bestimmter Bereiche des Speichers und die Steuerung der Dateneingabe und -ausgabe.
    2. USP 4 007 355 für Data Transfer System"; erteilt 1977. 1975: Übertragung von Guthaben zwischen zwei Smart Cards („Off-line").
    3. USP 4 102 493 für Systems for Storing and Transferring Data"; erteilt 1978. 1975: Der geschützte Komparator für die persönliche Identifikationsnummer (PIN) in der Smart Card.
    4. USP 4 092 524 für Systems for Storing and Transferring Data"; erteilt 1978.
    1978/79 USP 4 404 464 für „Method and Apparatus for Electrically Connecting a Removable Article, in particular a Portable Electronic Card"; erteilt 1983. Diese Patente betreffen die Sicherung der Zuverlässigkeit der elektronischen Wechselwirkung zwischen Karte und Lesegerät.
    Ehrungen
    1985 Erwähnung im „LIVRE MONDIAL DES INVENTIONS". Aufnahme in die „SMART CARD HALL OF FAME", Washington/DC.
    1989 „PRIX DU RAYONNEMENT FRANÇAIS". „PRIX DU RAYONNEMENT FRANÇAIS".
    1992 Chevalier de la Légion d’Honneur.
    1996 Erwähnung in den Standardwerken „LAROUSSE" und „LE PETIT ROBERT".

    Chipkarten - von der Telefonkarte zum Computer in der Westentasche

    Noch vor 30 Jahren gab es sie nicht: Die Chipkarten, die heute vor allem Europa, zunehmend aber auch die USA und Asien im Siegeszug erobern. An die Telefonkarte, die erste große Breitenanwendung der Chipkarte, hat man sich längst gewöhnt und vergißt dabei, daß sie in Frankreich seit rund 20 Jahren, in Deutschland erst seit gut zehn Jahren im Masseneinsatz ist. Jetzt kommen die ersten länderübergreifenden Telefonkarten: Die Karte wird in einem Land gekauft und kann in anderen Ländern genutzt werden. Eine andere wichtige Applikation in der Telekommunikation ist die GSM-Karte, die für die Nutzung der Handys erforderlich ist. Bei dem gegenwärtigen Boom im Mobilfunk fällt hierauf ein rasch wachsender Anteil unter den Applikationen.

    Die Frage, ob die Chipkarte eine Teil unserer Kultur ist, stellt sich nicht (mehr): Längst sind aufwendig gestaltete Telefonkarten in kleinen Auflagen zu begehrten Sammelobjekten geworden. Sie erzielen hohe Wertsteigerungen und ähneln dabei den Briefmarken, die neben ihrer Frankaturfunktion auch längst zur Anlage für Sammler geworden sind.

    Was für die Sammler in weniger als einer Generation zu Kultobjekten wurde, ist von ganz erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Die in den Chipkarten verarbeiteten Halbleiterbausteine repräsentieren heute bereits in Europa einen Markt von einer halben Milliarde DM. Weltweit erwartet man für die Jahrtausendwende ein Marktvolumen für die kleinen Chipkarten-Chips von 2,3 Mrd. DM, der sich dann zu je einem Drittel auf Europa, die USA und Asien aufteilen dürfte.

    Die Chipkartentechnologie hat viele Treiber in der Anwendung. Während in Europa nach Stückzahlen noch die Telekommunikation dominiert, kommen aus den USA neue Anwendungen aus dem Finanzbereich: Hier steigen die Kreditkartenorganisationen von der alten Magnetkarte um, weil die Chipkarte erheblich höhere Sicherheitsbedürfnisse zu erfüllen vermag und das zu vernünftigen Kosten. Der Zahlungsbereich ist Motor für viele andere Anwendungen: Die weltweit erste „Elektronische Geldbörse" mit einer Chipkarte wurde in Dänemark realisiert, die erste Eurocheque-Karte mit Chip in Österreich.

    Ein anderes Segment ist das Gesundheitswesen: Hier sind weit mehr als 50 Millionen Chipkarten von den Krankenkassen in Deutschland als Ausweiskarten ausgegeben worden, die das Abrechnungswesen für die Ärzte und Krankenkassen vereinfachen helfen. Die Optionen sind gerade auf dem Gebiet des Gesundheitswesens noch lange nicht ausgeschöpft: Die hohen Sicherheitsmerkmale moderner Chipkarten machen es nämlich auch möglich und sinnvoll, auf den Karten lebenswichtige Hinweise für die Notfallmedizin zu speichern, ohne daß ein Mißbrauch der gespeicherten Daten zu befürchten ist. In den Niederlanden wird eine solche Patientendatenkarte bereits eingesetzt. Das Gesundheitswesen ist schon das drittstärkste Marktsegment für die Chipkarte geworden.

    Ganz andere Nutzerkreise spricht die Chipkarte im Verkehrsbereich an. Die Deutsche Lufthansa hat ihre Senator-Card bereits mit einer kontaktlosen Chipkarte ausgestattet, mit der sogar Flugbuchungen am Terminal vorgenommen werden können, einschließlich der Reservierung des „Lieblingsplatzes" (sofern er verfügbar ist). Dazu braucht die Karte nicht mehr in einen Schlitz eingeführt werden. Hier verbinden sich Zahlungs- und Reservierungsfunktion miteinander. In einigen Städten laufen derzeit Feldversuche, die die Nutzbarkeit der Chipkarte für den öffentlichen Personennahverkehr untersuchen: Die Chipkarte als Fahrscheinersatz. Sie birgt im Gegensatz zu konventionellen Fahrscheinen eine exzellente Möglichkeit, das Fahrentgelt genau nach der erbrachten Leistung zu berechnen und damit die Nutzung von U- und S-Bahnen, von Straßenbahnen und Autobussen attraktiver zu machen.

    Die Idee eines „Rechners in der Westentasche" rückt mit einer speziellen Chipkarte in den Bereich des Möglichen. Sie baut darauf, daß größere Datenmengen in einer solchen Chipkarte gespeichert sind, Daten, die für den Besitzer als Arbeitsmaterial wichtig sind. Alles, was der Nutzer dann noch braucht, ist eine Art mechanischer Hülle, eine Bedienungseinheit mit Tastatur, Bildschirm, Prozessor und Netzteil, in die seine persönliche Karte mit den gespeicherten Daten und Informationen eingeschoben wird; der tragbare Rechner von heute schrumpft auf Telefonkartengröße.

    Für alle solche Ideen war es Voraussetzung, daß genormte Formate in den Abmessungen und Zugriffsmöglichkeiten geschaffen wurden, denn nur so läßt sich ein weltumspannender Standard setzen. Ein unübersehbarer Vorteil ist die der Chipkarte inhärente Systemsicherheit. Aus gutem Grund haben die Vertreter eines konsequenten Datenschutzes stets davor gewarnt, in zentralen Dateien persönliche Daten der Bürger in größerem Umfang abzulegen. Mit der Chipkarte bietet sich die Möglichkeit, solche Daten auf der persönlichen Chipkarte des Besitzers unterzubringen. Die Nutzung dieser Daten oder eines Teiles davon wird nur dem zugestanden, der sie zum Vollzug bestimmter Arbeiten benötigt. Die Verfügungsgewalt darüber behält das Individuum.

    Die EDUARD-RHEIN-STIFTUNG zeichnet 1996 zwei europäische Erfinder aus, die als Wegbereiter der Chipkarte weltweite Anerkennung gefunden haben. Als nicht kommerzielle Stiftung wertet sie dabei nicht Erfinderrechte, Erstveröffentlichungen oder Marktanteile, sie honoriert das Lebenswerk zweier Männer, die, jeder auf seine Weise, zum Erfolg dieses neuen Mediums an maßgeblicher Stelle beigetragen haben.

    Dipl.-Ing. Klaus H. Knapp
    EDUARD-RHEIN-STIFTUNG

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