Dr. Leonardo Chiariglione |
Prof. Dr. Fabio Rocca |
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Geboren in Almese, Italien. |
| 1967 | Abschlußexamen in Elektrotechnik am Politeccnico di Torino. |
| 1971 | Anstellung bei CSELT (Centro Studie e Laboratori Telecommunicazioni). |
| 1973 | Promotion in Elektrokommunikation an der Universität Tokio. |
| 1975 | Konstruktion eines RAM-basierten Video-Simulators für Forschungsarbeiten zur Videocodierung. |
| 1979 | Konstruktion eines Systems zur Echtzeitübertragung von Standbildern auf der Grundlage der DCT Komprimierung; Vorsitz der Image Terminal Section bei CSELT. |
| 1982 | Konstruktion des Prototyps eines Videokonferenz-Codec nach CCITT H.120. |
| 1985 | Konstruktion einer Mehrpunkteinheit für Videokonferenzen nach CCITT H.120. |
| 1986 | Konstruktion eines Prototyps, in dem die CCIR-Empfehlungen 601 und 656 verwirklicht sind; initiiert "International Workshop on HDTV". |
| 1988 | Konstruktion eines ISDN-Videotelefons für Basisanschluß;
Vorsitz bei der ersten MPEG-Konferenz. |
| 1989 | Chefredakteur von "Image Communication"/ EURASIP-Journal. |
| 1991 | Konstruktion einer Echtzeitimplementierung für einen vollständigen MPEG-1-Decoder; Leiter der Multimedia und Video Services Division von CSELT; unter seinem Vorsitz verabschiedet MPEG die internationale Norm MPEG-l. |
| 1994 | Konstruktion einer Echtzeitimplementierung für einen
vollständigen MPEG-2-Decoder; initiiert DAVIC (Digital Autio-Visual
Council) und wird ihr (Gründungspräsident und Vorstandsvorsitzender;
unter seinem Vorsitz
verabschiedet MPEG die internationale Norm MPEG-2. |
| 1995 | Unter seinem Vorsitz verabschiedet DAVIC die erste Spezifikation DAVIC 1.0. |
| 1996 | Konstruktion von ARMIDA, einer Implementierung eines DAVIC Client/Server-Systems; initiiert FIPA (Foundation for Intelligent Physical Agents), und wird ihr Gründungspräsident und Vorstandsvorsitzender; unter seinem Vorsitz verabschiedet die MPEG die internationale Norm DSM-CC. |
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1997 |
Unter seinem Vorsitz verabschiedet die MPEG die internationale Norm MPEG-2 AAC. |
| 1998 | Konstruktion von ArmidaFour, ein MPEG-4 Client/Server-System;
initiiert OPIMA
(Open Platform Initiative for Multimedia Access) als "Industry Technical Agreement" des IEC und wird deren Vorsitzender; unter seinem Vorsitz verabschiedet die MPEG die internationale Norm MPEG-4. |
| 1999 | Ernennung zum Geschäftsführer von SDMI (Secure Digital Music Initiative). |
| 1995 | Information and Communication Engineers Award; Institute of Electronics, Japan. |
| 1996 | Emmy Award; Academy of Television Art and Science, USA. |
| 1997 | a) J. J. Thompson Award; Institute of Electrical and
Electronics Engineers,Großbritannien.
b) International Institute of Communications Award, Italien. |
| 1998 | a) Society of Photo-Optical and Instrumentation Engineers
Award, USA.
b) Kilby Foundation Award, USA. |
| 1999 | Masaru Ibuka Consumer Electronics Award; IEEE, USA. |
| 7.1.1940 | Geboren in Neapel, Italien. |
| 1962 | Promotion als Elektroingenieur; Politecnico di Milano, Italien |
| 1963-79 | Forschungsarbeiten zu: |
| 1963-67 PLL-Schaltkreisen; | |
| 1968-85 Bildkomprimierung und Bewegungskompensation; | |
| seit 1968 Verarbeitung von seismischen Signalen; | |
| 1972-79 Single-Photon-Emissions-Tomographie (SPECT). | |
| Seit 1975 | Ordentlicher Professor am Politecnico di Milano und von 1975-78 Leiter des Instituto di Elettrotechnica ed Elettronica. |
| 1979-89 | Lehraufträge an der Fakultät für Geophysik der Standford University, dort auch Forschungsarbeiten zur Verarbeitung von seismischen Signalen. |
| 1980-93 | Mitglied der Commissione d'Ateneo (Universitätsleitung). |
| 1983 | Erste Satellitenübertragung eines digital komprimierten Videosignals unter Verwendung des am Politecnico di Milano entwickelten Interframecoders und des geostationären italienischen Satelliten SIRIO. |
| 1983-84 | Vorsitzender des Osservatorio Geofisico Sperimentale in Triest. |
| Seit 1985 | Forschungsarbeiten zu Synthetic Aperture Radar, später SAR-Interferrometrie. |
| 1987 | Vorsitzender der Europoean Association of Exploratory Geophysicists. |
| Seit 1988 | Forschungsarbeiten zur Nutzung des Bohrersignals, um das Verhalten des vor dem Bohrer liegenden Gesteins vorherzusagen. |
| Seit 1989 | Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Institut Francais du Petrole. |
| 1990-93 | Koordinator des ersten EU-Forschungsprogramms für Geowissenschaften. |
| Seit 1995 | Koordinator im Wissenschaftlichen Beirat des Osservatorio Geofisico Sperimentale in Triest. |
| Seit 1999 | Außerordentliches Mitglied im Consiglio Superiore PPTT. |
| 1979 | Honeywell International Award (HUSPI). |
| 1989 | a) Symposium Prize Paper
Award, Association Geoscience and Remote Sensing; IEEE, USA.
b) Ehrenmitglied der Society of Exploration Geophysicists. |
| 1990 | Schlumberger-Preis der European Association of Geoscientists and Engineers. |
| 1995 | Italgas-Preis für Telekommunikation. |
| 1998 | Ehrenmitglied der European Association of Geoscientists and Engineers. |
Die Standards werden weltweit beachtet. Verabschiedet sind bisher:
MPEG-1: Speicheranwendungen
wie z.B. CD, l,5 MB/s, progressive Abtastung
MPEG-2: Fernseh-
und HDTV-Anwendungen, mit und ohne Zeilensprung
MPEG-4: Internet-
und Virtual Reality-Anwendungen
Noch in der Diskussion befindet sich der MPEG-7-Standard für multimediale Anwendungen.
Diese Standards sind eine wichtige Grundlage für digitale audiovisuelle Systeme wie beispielsweise das digitale Fernsehen. Sie bilden die Basis für eine systemübergreifende Komunikation insbesondere bei zukünftigen Multimediaanwendungen. Erst durch die Standards wird die preiswerte Massenproduktion von komplexen Empfangsdekodern zum Beispiel für digitale Fernsehempfänger möglich.
Ohne MPEG gäbe es kein
digitales Fernsehen. Ohne Leonardo Chiariglione gäbe es kein
MPEG. Beeindruckt von der Standardisierungsarbeit für die Kodierung
von Einzelbildern der Joint Pictures Experts Group (JPEG) unter der Leitung
seines ehemaligen Tokioter Studienkollegen Hiroshi Jasuda gründete
der sprachbegabte Humanist und Weltbürger Chiariglione 1988 ebenfalls
unter dem Dach von ISO/IEC die MPEG-Gruppe. Mit bewunderungswürdiger
Zähigkeit und Durchsetzungskraft führte er Experten auf dem Gebiet
der Bewegtbildkodierung aus den nachrichtentechnischen Labors der Welt
zusammen und schuf mit ihnen in den 90er Jahren die MPEG-Standards. In
vielen Sitzungen kämpfen international renommierte Experten miteinander
und mit Chiariglione um das jeweils beste Konzept. Dabei schlug -so ein
Sitzungsteilnehmer - Chiariglione die Köpfe solange aneinander, bis
der neue Standard fertig war. Nichts und niemand konnte ihn dabei aufhalten.
Er folgte seinem Leitsatz "ein audiovisuelles System für die ganze
Welt - denn überall haben die Menschen gleiche Augen und Ohren". Einerseits
entstanden durch die Beteiligung von Arbeitsgruppen aus aller Welt technisch
hervorragende Vorschläge. Andererseits
ergab sich aus der internationalen
Beteiligung eine gute Akzeptanz für die so geschaffenen Standards,
so daß firmenspezifische Lösungen weitgehend vermieden werden
konnten.
Bereits heute ist die Übertragung von MPEG 2 - kodierten Fernsehprogrammen beim Satellitenfernsehen Stand der Technik. Mit einer kleinen Flachantenne von ca. 40 cm Kantenlänge und einem Satellitenempfänger für Digitalempfang lassen sich in München oder an der Cote d'Azur zur Zeit etwa 35 digitale deutschsprachige Fernsehprogramme und dazu noch viele digitale Radioprogramme über eine Satellitenposition unverschlüsselt empfangen. Hinzu kommen eine Reihe von verschlüsselten Pay-TV-Angeboten. Bei dieser Übertragung können im Frequenzband eines analogen Programms etwa vier bis acht digitale Programme ausgestrahlt werden. Neben vielen Vorteilen der Digitaltechnik begründet vor allem diese hohe Bandbreiteneffizienz den wirtschaftlichen Erfolg und damit den Durchbruch der digitalen Übertragungstechnik für audiovisuelle Signale. Dieses herausragende Ergebnis jahrzehntelanger intensiver Anstrengungen vieler Forscher und Entwickler soll hier anhand eines Beispiels kurz skizziert werden:
Nach Kotelnikov kann ein Analogsignal mit der Grenzfrequenz W und 2W Abtastwerte repräsentiert werden. Nun braucht man bei der Digitalisierung von Analogsignalen stets eine bestimmte Zahl von Quantisierungsstufen. In vielen Fällen reichen 256 Stufen entsprechend 8 Bit aus. Daraus folgt eine Datenrate von 16W in Bit pro Sekunde. Wie Nachrichtentechniker wissen, erfordert diese Datenrate nach Nyquist bei zweipegeliger Basisbandübertragung einen Übertragungskanal mit einer Grenzfrequenz von mindestens 8W. Ersichtlich liefert diese simple Digitalisierung eines Analogsignals eine Datenrate, zu deren Übertragung die 8fache Übertragungsbandbreite des Analogsignals nötig wäre. Eine in der Regel völlig unbefriedigende Lösung.
Glücklicherweise enthalten Ton- oder Bildsignale jedoch redundante und irrelevante Anteile. Schon 1948 hatte Shannon mit seiner Informationstheorie aufgezeigt, daß datensparende Kodierungen für derartige Quellen existieren. In seiner Nachfolge hat es jahrzehntelang eine Fülle von Arbeiten zur Quellenkodierung gegeben - mit einer Vielzahl von hervorragenden Ideen und praktischen Ergebnissen. Die Entwicklungen und Optimierungen verschiedener Methoden wie Differenzbildkodierungen oder Transformationsverfahren für Bewegtbildsignale stießen jedoch an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und lieferten immer noch unerwünscht hohe Datenraten. Erst Ende der achtziger Jahre erwies sich im Zusammenhang mit den großen Erfolgen der Mikroelektronik ein Vorschlag von Fabio Rocca aus dem Jahr 1969 als besonders fruchtbar. In seinem Beitrag zum Symposium Return Bandwidth Compression (MIT) im April 1969 beschrieb er diesen Vorschlag unter dem Titel: "Television bandwith compression utilizing frame-to-frame correlation and movement compensation".
Roccas Idee war, bei Bewegtbildsequenzen
die Bewegung in Teilbildbereichen zu messen (Bewegungsschätzung) und
nur die Differenzsignale zwischen aktuellem Bild und einem bewegungskompensierten
vorherigen Bild zu übertragen. Das bewegungskompensierte Bild wird
dabei mit Hilfe geschätzter Bewegungsvektoren aus dem bereits übertragenen
Bild berechnet. Erst mit diesem Konzept gelang eine entscheidende Steigerung
der Kodiereffizienz. So erreichte die Datenkompression für Bewegtbildsignale
die heute übliche Leistungsfähigkeit. Die praktische Bedeutung
dieser Hybridkodierung entwickelte sich allerdings erst in den letzten
Jahren, als mit der Hochintegration komplexe digitale
Schaltkreise und Signalprozessoren
verfügbar wurden. Heute wird in aller Welt bei der Bewegtbildkodierung
- und selbstverständlich auch bei dem Fersehstandard MPEG-2 - von
genau diesem Konzept der Hybridkodierung mit Bewegungskompensation Gebrauch
gemacht.
Das Kuratorium der Eduard-Rhein-Stiftung
hat deshalb vorgeschlagen, die herausragenden Beiträge von Leonardo
Chiariglione und Fabio Rocca zur Schaffung der MPEG-Standards
stellvertretend und repräsentativ für die vielen Beiträge
anderer Experten mit dem Technologiepreis der Stiftung auszuzeichnen.