Stiftungen werden aus unterschiedlichen Motiven gegründet:
Finanzielle, steuerliche und juristische Überlegungen, familiäre
und erbgesetzliche Gründe können eine gewichtige Rolle
spielen. Gemeinsam ist aber allen Stiftungen, daß
sie mit dem Namen einer Persönlichkeit für alle Zeiten
verbunden ist, dessen Vermächtnis die Stiftung weiterführen
soll.
Die Eduard-Rhein-Stiftung macht insoweit eine Ausnahme,als daß keinerlei vermögensrelevante Betrachtungen
vom Stifter angestellt wurden: "Geld aus meinem privaten
Vermögen, nicht aus Beiträgen, die am Finanzamt vorbeigeschleust
werden sollten", sagte der Stifter, als er mit 2 Mio. DM
Anfangskapital im Jahr 1976 die Stiftung in Hamburg
ins Leben rief.
Die Wurzeln der Stiftung - 1975: Erste Gedanken zu einer Stiftung
Man muß weit in die Lebensgeschichte Eduard-Rheins zurückgehen, um die ersten Gedanken an die Stiftung zu finden.
Noch zu seinen Zeiten als Chefredakteur von "HörZu!"
hatte er in die Zeitschrift eine Technikseite eingefügt,
auf der er die jeweils interessantesten Entwicklungen für
die Rundfunk- und Fernsehtechnik erläuterte. Nach Beendigung
seiner Tätigkeit im Springer-Verlag im Jahr 1965 sann er
darüber nach, wie er weiterhin auf diesem Gebiet als Katalysator
zwischen den Interessen der Industrie und denen der Verbraucher
wirken könne. In einer Stiftung sah er diese Möglichkeit,
seinen Vorstellungen auch künftig Leben einzuhauchen. Doch
erst Jahre später war es soweit:
Eduard Rhein sah 1975 auf der Funkausstellung in Berlin
auf dem Stand eines japanischen Unternehmens den Prototyp einer
Bildwiedergabe mit 1.250 Zeilen, die Qualität eines Kinobildes auf dem Fernsehbildschirm. Der japanische Versuchsaufbau hatte überhaupt nicht das Fernsehen im Auge: Er war als Demonstration
für die Bildübertragung im medizinischen Bereich gedacht.
Schon zehn Jahre zuvor hatte Professor Schröter (Telefunken)
darauf hingewiesen, daß man bei einer Verdoppelung der Zeilenzahl des Fernsehens ein hochqualitatives, dem Kino gleichwertiges Farbbild erzeugen kann. Insoweit war die Idee nicht neu.
Die Idee war aber gut, und Eduard Rhein griff sie für das Fernsehen auf und verband sie gleich mit einer
zweiten: Der flache Bildschirm muß her! Nimmt man die Rückwand eines heutigen Fernsehempfängers ab, fällt auf, wieviel Luft man gekauft hat: Die Tiefe des Geräts wird durch den Hals der Bildröhre vorgegeben - der eigentliche Empfänger
ist mit einem Volumenanteil von nur wenigen Prozent am Gehäuse
beteiligt.
Gründung im Jahr 1976
Der flache Bildschirm, im Ideal wie ein Bild an der Wand hängend, war der zweite Traum von Eduard Rhein. Und die im
Jahr 1976 gegründete Stiftung die Plattform,
seine beiden Träume zu verwirklichen.
Professor Bruch übernimmt ersten Vorsitz in Beirat
Den letzten Anstoß dazu gab ein zufälliges Zusammentreffen in New York von Eduard Rhein mit Professor Walter Bruch, damals Entwicklungschef des Grundlagenlabors bei Telefunken und Vater der deutschen Farbfernsehnorm PAL. Rhein überredete Bruch,in der von ihm geplanten Stiftung den Vorsitz zu übernehmen. Die Wahl eines Expertenbeirats, der über künftige Preisträger zu befinden hatte, brachte nochmals
etwas Verzögerung. Dann aber standen die Statuten der Stiftung, die Stiftungsaufsicht der Freien und Hansestadt Hamburg gab grünes Licht, der wissenschaftliche Beirat war installiert und nahm seine
Arbeit auf.
Eine Idee nimmt Gestalt an
-
Kernziel: Bessere technische Qualität
des Fernsehens
Eher moderat und noch ein wenig juristisch lesen sich die Richtlinien, nach denen die Stiftung startete. Da hieß es in der Satzung zum Beispiel:
"Der Eduard-Rhein-Preis wird jedes Jahr für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der audio-visuellen Medien vergeben. Die grundlegende Auffgabenstellung für den Eduard-Rhein-Preis ist, wichtige Arbeiten zur Verbesserung der Qualität oder der Erweiterung audio-visueller Techniken zum
Nutzen des Zuschauers ... (zu fördern)." Und damit es an den Zielvorstellungen des Stifters keinen Zweifel gibt, konnte
man weiter lesen:
"Dies umfaßt insbesondere
Preisgeld 250.000 DM
Der Eduard-Rhein-Preis war anfangs mit jährlich 250.000 DM dotiert. Diese Summe konnte sowohl für eine einzige Arbeit vergeben werden als auch aufgeteilt und in ihrer Höhe
unterschiedlich bemessen werden.
Nur "natürliche" Personen können Preisträger
werden
Da Geld immer auch Scharlatane anzieht, wurde in der Satzung festgelegt, daß "Bewerber um den Preis nur durch anerkannte Experten sowie durch Organisationen oder Institutionen vorgeschlagen
werden können, die auf dem Preisgebiet forschend tätig
sind". Und damit sich nicht anonyme Institutionen selbst die Gelder zuschanzen, heißt es weiter: "Die Preise dürfen nur an natürliche Personen vergeben werden".
Das war es, was Eduard Rhein immer sehen wollte:
Menschen und Erfinder, wie er selbst einer war. Das Problem ist nur, daß mit zunehmender Teamarbeit in Industrie und Wissenschaft Einzelkämpfer die Ausnahme, nicht die Regel sind.
Managersetzen heute neue Techniken durch, selten die Erfinder.
Ideen sind Wirtschaftsgüter, der geschäftliche Erfolg
geht in der Industrie allemal vor das noch so brillante technisch-wissenschaftliche
Ergebnis.
Diese Urfassung der Satzung enthielt ein paar Stolpersteine, die erst durch die technische Weiterentwicklung an das Tageslicht kamen. Das Wort "audio-visuell" ist typisch für die späten siebziger Jahre - niemand konnte voraussehen, daß die Verknüpfung von Audio
und Video nur der Anfang für etwas viel Weiteres sein würde: eine umfassende Integration aller Informations- und Kommunikationstechnologien
in Form der multimedialen Techniken des ausgehenden 20. Jahrhunderts.
Revision der Satzung nach ein paar Jahren
Ein Fallstrick besondererArt war die Forderung, ein Hochqualitätsfernsehen zu schaffen
bei gleichzeitiger Kompatibilität zu den bisherigen Fernsehsystemen.Das gleicht der Quadratur des Kreises, weil die technische Integration eines 30 Jahre alten (analogen) Fernsehstandards in eine mittlerweile längst digitale Welt ein Anachronismus ist. Es mutet an wieder Versuch, bei einem Mobiltelefon die Kompatibilität mit dem Hörrohr des 18. Jahrhunderts zu sichern. Und auch der scheinbar Preisträger-freundliche Nebensatz über die Aufteilung des Preises und seine unterschiedlich hohen Preissummen
erwies sich später als Bumerang: In dieser Form förderte er eine Preisflut, statt sich einigen wenigen markanten Themen zuzuwenden. Die Schwächen dieser Satzung wurden dann später durch Präzisierung einerseits und das Offenhalten von technischen
Optionen andererseits behoben.
Der Ehrenring wird gestiftet
1979 fügte Eduard
Rhein seiner Stiftung einen Ehrenpreis an: den Eduard-Rhein-Ring.
Träger dieses Ehrenpreises sollten Persönlichkeiten
sein, die sich um die Entwicklung von Rundfunk und Fernsehen verdient
gemacht haben - Wissenschaftler und Forscher also, Manager und
Industrielle, "deren Einfallsreichtum und Wagemut das Zeitalter
der audio-visuellen Techniken erst ermöglicht haben".
Die Zahl der lebenden Träger dieses Ehrenpreises ist auf
zehn beschränkt. Aus den bisherigen Trägern des Ehrenringes
verdienen drei besondere Erwähnung: Dr. Vladimir Zworykin,
Herbert von Karajan und Max Grundig.
Aus den Anfängen der Stiftung -
Die Geschäftsstelle der Stiftung wird von Hamburg nach Mayen verlegt
Im dreiköpfigen Stiftungsvorstand hatte Rhein zunächst selbst seine Stiftungsziele vorangetrieben.
In der noblen Heimhuder Straße in Hamburg, unweit der Binnenalster,
wurde Anfang der 80er Jahre ein Stiftungshaus aus der Gründerzeit
erworben. Später mußte dieses Domizil aufgegeben werden,
da eine gewerbliche Nutzung des Hauses in einer reinen Wohngegend
durch Umwidmung unzulässig wurde. Die Stiftung wird seither
von Mayen in der Eifel aus geführt.
Die Weltoffenheit der jungen Stiftung zeigte
sich schon in den ersten zwei Jahren: Von insgesamt elf Preisträgern
der Jahre 1979 und 1980 kamen nur vier aus Deutschland. Zu dieser
frühen Öffnung nach draußen, von der immer wieder
japanische Preisträger als Motoren der Entwicklung im Audio-
und Videogeschäft profitierten, hatten auch die guten Auslandskontakte
von Walter Bruch beigetragen, der als "Mr. PAL" gerade
in Japan hohes Ansehen genoß.
Die Stiftung bekommt ein zweites Bein
-
Der
Kulturpreis wird geschaffen
Die Sorge, angesichts einer rasch fortschreitenden technischen
Entwicklung könnte die Stiftung eines Tages
wegen Erfüllung des Stiftungszwecks aufgelöst werden,
hat erstmals im Jahr 1982 dazu geführt, daß über
eine Erweiterung der Stiftungsziele befunden wurde.
So wurde 1982 im Vorstand beschlossen, den Forschungspreis
durch einen Kulturpreis für die eindrucksvollste Fernsehdokumentation
eines Jahres zu ergänzen. Pate stand dabei die Überlegung,
daß eine Verbesserung der Fernsehtechnik ja nur die Plattform
schafft, um guten Fernsehdokumentationen den Weg zu ebnen. Auf
eine thematische Begrenzung des Kulturpreises wurde expressis
verbis verzichtet, jedoch stand außer Zweifel, daß
weniger das jeweilige Thema des Fernsehbeitrags als vielmehr die
treffende künstlerische oder journalistische Umsetzung gewürdigt
werden sollte.
Eine eigens gebildete Jury von angesehenen Publizisten
wurde als Beurteilungsgremium berufen unter dem Vorsitz von Prof.
Dr.h.c. Joachim Fest, dem seinerzeitigen Herausgeber der angesehenen
Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Bereits ein Jahr später
wurde der Kulturpreis zum ersten Mal vergeben; die beiden damals
ausgewählten Beiträge konnten auch noch Jahre später
vor dem kritischen Auge des Zuschauers bestehen.
Ein Paukenschlag im Sommer 1986 - Special 3 Million DM Award
Alles deutete auf einen heißen Augusttag und auf
eine ganz "normale" Preisverleihung im Münchner
Park-Hilton hin: Die Preisträger waren erschienen, die Vorführungen
aufgebaut, der Stifter trat an das Mikrophon - und verkündete
völlig überraschend, daß er aus seinem Privatvermögen
eine Sonderprämie in Höhe von 3 Millionen DM (jawohl,
kein Druckfehler!) auslobe für denjenigen, der ihm den ersten,
in Serie gefertigten flachen Bildschirm für das Hochzeilenfernsehen
bis 1900 realisiert. Mit dieser pressewirksamen Ankündigung
überraschte Eduard Rhein selbst den Wissenschaftlichen Beirat
der Stiftung - war dieses Thema doch nie Diskussionsgegenstand
gewesen. Aus gutem Grund nicht: Kein Mitglied des Beirats hätte
auch nur eine winzige Chance gesehen, einen solchen Flachbildschirm
mit der geforderten Auflösung binnen vier Jahren zu realisieren.
Später - 1991 - konnte übrigens die Stiftung
wenigstens einen Teilschritt auf dem Weg dahin auszeichnen: Der
Sharp Corp. wurde der Eduard-Rhein-Preis für einen flachen
Farbbildschirm zuerkannt, der immerhin Fernsehqualität hatte,
aber vom Hochzeilenfernsehen noch einiges entfernt war. Eduard
Rhein hat übrigens seine Brieftasche für diese 1986
ausgelobte Sonderprämie nicht öffnen brauchen.
Vielleicht hatte die unerwartete Initiative des agilen
Stifters auch noch einen anderen Grund: Seit der Aufteilung des
Eduard-Rhein-Preises in den Kultur- und den Forschungspreis
setzte eine Preisflut ein, die 1986 bereits in 16 Preisträgern
gipfelte.
Erste Überlegungen zu einer Neuorientierung
-
Professor Bruch scheidet aus der Stiftung aus
Ein Rückblick nach zehn Jahren Stiftungstätigkeit
zeigte, daß die immer noch "junge" Stiftung mit
einem nach wie vor geringen Bekanntheitsgrad zu kämpfen hatte.
Noch mehr: Ein Generationswechsel an der Spitze des Wissenschaftlichen
Beirats bahnte sich 1986 an. Die Last des Alters und Sorge um
seine Gesundheit ließen Walter Bruch als nun schon langjährigen
Vorsitzenden darum bitten, ihn von den Aufgaben in der Stiftung
zu entbinden. Dieser Einschnitt führte zu einer Neudiskussion
der Stiftungsziele, die dem Stifter aus dem Wissenschaftlichen
Beirat zum Bedenken vorgetragen wurden. Der Beirat formulierte
seine Gedanken in einem Schreiben an den Vorstand so:
Im Verlauf der letzten Jahre wurden die ursprünglichen
Stiftungsziele durch ein Aufblähen der Zahl der Preisträger
verwässert. In vielen kleinen Preisen schlägt sich zum
einen die Tatsache nieder, daß große Durchbrüche
auf bestimmten Gebieten eben nur alle paar Jahre zu erwarten sind
- die jährliche Preisvergabe ist da gelegentlich schon Qual
der Wahl.
Zum anderen spiegelt sich wider, daß heute nur noch selten
Technologiesprünge mit einem einzelnen Namen verbunden sind:
Meist sind es Teams, die zwischen sechs und 40 Menschen umfassen
und deren Anteil an der erarbeiteten Lösung nicht immer genau
zu definieren ist.
Ein dritter, eher menschlicher Punkt tritt bei der Wahl der
Kandidaten hinzu: Der Mut, auch einmal nur ein Thema zu prämiieren,
ist nicht gerade groß. Wenn man wie aus einem Füllhorn
mehrere kleinere Preise vergeben kann, dann darf man sicher sein,
mit diesem "Schrotschuß" auch mal eine Taube und
nicht nur Spatzen erlegt zu haben.
Der Mangel an geeigneten großen technischen Themen, die
preiswürdig sind, hat u.a. zu einer Ausuferung bei den "Softwarethemen"
der Fernsehproduktionen geführt. Soweit dies dem Stifterwillen
entspringt, sollte man es respektieren. Im Erscheinungsbild hingegen
ist diese Aufteilung auf "Hardware" und "Software"
eher problematisch, da beide Bereiche kaum Berührung miteinander
haben und eine vergleichende Leistungsbeurteilung eher erschwert
wird. Da über Geschmack bekanntlich trefflich zu streiten
ist, sind wirklich nachvollziehbare Entscheidungen bei der Wahl
von Fernsehsendungen sehr viel schwieriger als in der Technik.
Die Suche nach neuen Zielsetzungen ist nicht Aufgabe des Wissenschaftlichen
Beirats. Persönlich würden wir davor warnen, sie außerhalb
der Informations- und Kommunikationstechnik zu suchen: Schon dieser
Begriff ist sehr weit gesteckt und - verglichen mit den ursprünglichen
Stifterzielen - nicht sehr präzise; andererseits beinhaltet
er die Möglichkeit, sich problemlos künftigen Entwicklungen
anzupassen.
Es erfordert mehr Mut zur Entscheidung, wenn man sich auf einige
wenige Themen konzentriert und die aber mit einem höheren
Preis ausstattet. Hier ist der Wissenschaftliche Beirat und
der Stiftungsvorstand gefordert.
So weit einige der Reformvorschläge. Sie fielen in zahlreichen
Einzelpunkten auf fruchtbaren Boden, wenn sie auch nicht alle
später umgesetzt wurden.
Aufbruch zu neuen Ufern -
Reformen des Jahres 1989
Das Jahr 1989 hat für die Eduard-Rhein-Stiftung
insoweit besondere Bedeutung, weil Stiftungszweck und die Zusammensetzung
des Vorstands zur Diskussion standen. Auslöser für diese
Veränderungen in der Stiftung waren nicht nur die vorgetragenen
Überlegungen des Wissenschaftlichen Beirats, sondern auch
Meinungsverschiedenheiten im Vorstand über die Auslegung
der Stiftungssatzung und ihrer Langzeitziele.
Der Stifter, zu diesem Zeitpunkt noch selbst Mitglied im
obersten Stiftungsgremium, sah seine ursprünglichen
Ziele durch eine zu breite Auslegung des Kulturpreises beeinträchtigt.
Die vom Wissenschaftlichen Beirat vorgetragenen Thesen verstärkten
die Ansicht, im Interesse einer langjährigen Beständigkeit
die Stiftungsziele den Entwicklungen in der Technik und der Gesellschaft
anzupassen.
Ein neuer Vorstand wird bestellt
Im Mai 1989 wurde der Vorstand neu bestimmt. Mit der Bestellung
von Dr. Rolf Gartz, dem Neffen des Stifters, zum neuen geschäftsführenden
Vorstandsmitglied der Stiftung (neben Peter Boenisch
und Dr. Christian Schwarz-Schilling, Bundesminister für das
Post- und Fernmeldewesen) hatte die Stiftung sozusagen einen "Siegelbewahrer"
des kinderlosen Stifters aus dem Familienkreis im obersten Stiftungsgremium.
Der neue Vorstand formulierte den Kulturpreis dann so:
"Die Förderung erfolgt durch Vergabe von Geldpreisen
für herausragende künstlerische und/oder journalistische
Leistungen in Rundfunk- und Fernsehsendungen [die im deutschsprachigen
Raum empfangbar sind] sowie schriftlichen Veröffentlichungen.
Der Preis wird in zweijährigem Abstand vergeben und soll
50 % der in dem betreffenden Jahr vergebenen Technologiepreise
nicht übersteigen".
Eduard Rhein zieht sich aus der aktiven Arbeit in der Stiftung
zurück
Jury und Kuratorium (das den früheren Wissenschaftlichen
Beirat in der Namengebung ablöste, ohne aber seine Aufgaben
zu verändern) wurden durch neue Persönlichkeiten verstärkt,
der Stiftungsvorstand, wie schon erwähnt, durch
Neuberufungen ergänzt. Gleichzeitig mit dieser Umgestaltung
zog sich der Stifter aus "seiner" Stiftung zurück
und überließ die Geschäftsführung der Stiftung
nunmehr allein dem neuen Vorstand unter Dr. Rolf Gartz.
Die frühen 90er Jahre: Wandel durch Fokussierung -
Forschungspreis
wird aufgeteilt
Die vorgenommenen Änderungen zeigten Wirkung: Der
Forscherpreis wurde ab 1990 in einen "Grundlagenpreis"
und einen "Technologiepreis" aufgeteilt, um nicht miteinander
Vergleichbares trotzdem gewichtet auszeichnen zu können.
Während im Grundlagenpreis eher das Lebenswerk einer Einzelperson
auf dem Arbeitsgebiet der Stiftung gewürdigt
werden soll, sollte sich der Technologiepreis am technischen Fortschritt
der zurückliegenden zwölf Monate orientieren.
Bereits 1990 stand nur ein einzelner Träger des Grundlagenpreises
"auf dem Treppchen", und es wurde auch nur eine Neuentwicklung
(mit einem Team aus drei Forschern) ausgezeichnet.
Mit der Verleihung des Grundlagenpreises der Eduard-Rhein-Stiftung
an Professor Dr. Claude E. Shannon wurde 1991 einer der "großen"
Informationstheoretiker des 20. Jahrhunderts geehrt. Vorstand
und Kuratorium haben mit dieser Entscheidung der Stiftung einen
ganz neuen Weg gewiesen.
Der Kulturpreis ging im selben Jahr erstmals an einen ausländischen
Fernsehjournalisten - den Starreporter von CNN, Bernard Shaw,
für seine Augenzeugenreportagen aus Bagdad während der
Auseinandersetzungen am Persischen Golf. Die Empfangsmöglichkeiten
des Satellitenfernsehens in Deutschland befreiten die Jury von
den Fesseln der alten Stiftungsbedingungen [... Empfang im
deutschsprachigen Raum ... ] für die Preisverleihung.
1991 wurde zunächst das Kuratorium und 1993 auch die
Jury durch neue Namen erweitert.
1993: Das Wendejahr der Stiftung -
der große
flache Bildschirm ist da
In seinen Sitzungen im Frühjahr 1993 sichtete das Kuratorium die vorliegenden Preisvorschläge und kam zu der
Ansicht, dem Stifter quasi ein besonderes Geschenk zu machen.
Unter den eingereichten Vorschlägen war einer, der dem ursprünglichen
Stiftungsziel in idealer Weise entsprach: Ein großer,
hochauflösender, flacher Bildschirm für das Fernsehen.
Daß dies Ziel zunächst noch in der Form eines Projektionsfernsehers
gelöst wurde, bedeutet noch keinen endgültigen Schlußstrich
unter die Entwicklung. Der Weg aber zu einem "aktiven"
(d.h. selbstleuchtenden) Bildschirm dieser Art wird sicher bis
in das 21. Jahrhundert hineinführen.
Das Kuratorium war sich sicher, daß diese Wahl auf
große Zustimmung des Stifters stoßen würde. Mit
dieser Entscheidung zugunsten einer Entwicklung der Sharp Corp.
wurde ein vorläufiger Strich unter das Thema "flacher
Bildschirm" gezogen. Entsprechned den gewandelten Stiftungszielen
konnte man sich für die Zukunft den neuen Herausforderungen
der Technik widmen, die durch eine konsequente Digitalisierung
aller elektronischen Informations- und Kommunikationsmedien gekennzeichnet
ist. Die Urväter dieser Technik finden sich in einer Zeit,
in der Eduard Rhein seine ersten populären Technikbücher
veröffentlichte: in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts.
Manche großen Ideen brauchen eben mehr als eine Ingenieurgeneration,
um realisiert zu werden.
Am 15. April 1993 wurden die Stiftungsgremien von der Nachricht des Ablebens von Eduard Rhein in Cannes überrascht.
Noch am Abend vor seinem Tod sprach er am Telefon mit dem Geschäftsführenden
Vorstand der Stiftung, seinem Neffen Dr. Rolf Gartz. Er klagte
über die Folgen eines grippalen Infekts. Nichts aber deutete
darauf hin, daß er dann später in der Nacht im Krankenhaus
von Cannes einem Schlaganfall zum Opfer fallen würde.
Die Nachricht von seinem Ableben verpflichtete die Stiftungsgremien
mehr denn je auf die Wahrung der Absichten des Stifters: Die für
das Jahr 1993 getroffene Entscheidung, den Technologiepreis für
einen flachen Bildschirm zu verleihen, sahen Vorstand und Kuratorium
nun als Erfüllung der technischen Wunschvorstellungen des
"Jahrhundertmannes". Daß er die Realisierung nicht
mehr erlebte ist von besonderer Tragik.
Das Stiftungsvermögen wird erhöht
Nach dem Ableben des Stifters fiel sein Privatvermögen
weitgehend an die Eduard-Rhein-Stiftung. Das Stiftungsvermögen
wurde aus dem Nachlaß Eduard Rheins auf rund 17 Mio. DM
erhöht. Es erlaubt der Stiftung seither, jährlich Förderpreise
von fast einer halben Million DM auszuloben, ohne die Substanz
angreifen zu müssen.
Für Kuratorium und Jury wird dies zur Herausforderung:
Gibt es doch kaum eine im Technikgebiet arbeitende Stiftung,
die über ein solch bedeutendes Finanzpolster verfügt.
Die Nobel-Stiftung ist nur bedingt vergleichbar, weil sie Naturwissenschaften,
Literatur, Wirtschaftswissenschaften und Politik (Friedensnobelpreis)
auszeichnet.
Die weite Abgrenzung des Stiftungszwecks läßt
Spielraum für die technischen Entwicklungen des angehenden
21. Jahrhunderts. Das Zusammenwachsen aller Kommunikationsmedien
wird dem Technologiepreis eine neue Vielfalt preiswürdiger
Ideen zuführen, die weit über den ursprünglichen
Stiftungszweck (der sich vor allem auf einen Flachbildschirm mit
hoher Auflösung konzentrierte) hinausgehen. Der Bestand der
Stiftung ist damit über einen langen Zeitraum hinweg gesichert.
Inwieweit der Grundlagenpreis hier über einen langen Zeitraum mithalten kann, muß sich zeigen. Die Grundlagen
aller dieser neuen Techniken gehen oft auf frühe Arbeiten
in der Mitte dieses Jahrhunderts zurück, und ihre geistigen
Väter werden nicht jünger.
Sichergestellt ist auch die weitere Entwicklung des Kulturpreises.Eine kluge Auswahlpolitik bei der Preiszuerkennung hat hier in
den 90er Jahren zu neuen Wertmaßstäben geführt.
Damit wird bewiesen, daß es im Bereich der Dokumentarsendungen
des Fernsehens noch immer kreative, von ihren Ideen besessene
Macher gibt, die jenseits von Ideologien und "Fastfood-Journalismus"
gewissenhafte und herausfordernde Sendungen machen.
Jugendpreise gestiftet
Die erweiterten Aktivitäten der Stiftung
erschöpften sich nicht nur in der Ausweitung
auf neue Ziele. Einem persönlichen
Anliegen von Dr. Rolf Gartz folgend,
ging die Eduard-Rhein-Stiftung
1996 mit der Stiftung "Jugend forscht" in
Deutschland eine Zusammenarbeit ein,
die sich in der Konstituierung eines speziellen
Jugendpreises niederschlug. Aus
den zur Ausscheidung eingereichten
technischen Arbeiten der Jugendlichen
wählt die Eduard-Rhein-Stiftung gemeinsam
mit den Juroren von "Jugend
forscht" solche Preisarbeiten aus, die mit
den satzungsgemäßen Zielen der Eduard-Rhein-Stiftung in Einklang zu bringen
sind.
Ein weiterer Preis, der
"Konrad-Zuse-Jugendpreis für Informatik der Eduard-Rhein-Stiftung" wurde, ebenfalls unter
dem Dach von "Jugend forscht", erstmals
1997 ausgelobt. Er erinnert an den großen
deutschen Computerpionier und Erfinder,
der seinerseits selbst Laureat der
Eduard-Rhein-Stiftung war.
Preisvergabe im Deutschen Museum
Auf Einladung des Deutschen Museums
in München, werden seit 1996 die
Eduard-Rhein-Preise im Rahmen einer
Feierstunde vor ausgewählten Gästen im
dortigen Ehrensaal vergeben.